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Reiterhilfen leicht erklärt Teil 1 – die Schenkelhilfen

Jeder kennt es – man liest ein Buch darüber oder der Reitlehrer versucht während der Reitstunde zu erklären, wie genau man die Hand hält oder wo eigentlich der Schenkel liegen muss. Eigentlich hat man das dann auch so weit verstanden, aber beim nächsten Mal reiten klappt es dann doch wieder nicht ganz oder man hat daheim doch noch Fragen. Genau so geht es sehr vielen und damit du das nächste Mal nicht mit Fragezeichen auf dem Pferd sitzt, sondern die Lektionen klappen, schreibe ich hier eine dreiteilige Serie zu den Reiterhilfen.
Wir unterscheiden grundsätzlich zwischen Schenkel-, Gewichts- und Zügelhilfen. Dazwischen wird nochmal zwischen verschiedenen Wirkungen der einzelnen Hilfen unterschieden.
Da die Schenkelhilfen meiner Meinung nach am wichtigsten sind und immer vorherrschen sollten, beginne ich mit diesen.

Die Schenkelhilfen

Was sind denn eigentlich die Schenkelhilfen?
Mit den Schenkelhilfen wird eine Bewegung oder auch Biegung des Pferdes mit Hilfe (leichtem) Drucks erreicht. Das kann eine Vorwärtsbewegung, eine Vorwärts-Seitwärtsbewegung oder auch eine Rückwärtsbewegung sein. Grundsätzlich wird aber nicht nur eine Hilfe gegeben, sondernd die Hilfen werden immer aufeinander abgestimmt. Möchte ich also, dass mein Pferd vorwärts geht, drücke ich nicht einfach mit den Schenkeln gegen den Bauch, sondern muss auch noch die Gewichts- und Zügelhilfen passend dazu einsetzen.

Wir unterteilen die Schenkelhilfen in vorwärtstreibende, vorwärts-seitwärtstreibende und verwahrende Schenkelhilfen. Wie diese genau funktionieren erkläre ich euch im Folgenden.

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vorwärtstreibende Schenkelhilfe

Wie bereits oben erwähnt und wie der Name sagt, benutzt man die vorwärtstreibende Schenkelhilfe, um das Pferd in eine Vorwärtsbewegung zu bringen. Möchte ich beispielsweise ein stehendes Pferd in Bewegung setzten, spanne ich mein Gesäß an und lege beide Schenkel gleichmäßig auf Höhe des Sattelgurts an den Pferdebauch und übe damit leichten Druck aus. Sobald das Pferd antritt, gebe ich mit dem Druck sofort nach und gehe mit den Händen etwas nach vorne um dem Pferd Raum für die Vorwärtsbewegung zu geben. Wie weit vor ich gehen muss, ist von Pferd zu Pferd unterschiedlich. Man bekommt nach einiger Zeit ein Gefühl dafür. Sollte das Pferd nicht auf leichten Druck antreten, kann ich diesen Druck langsam immer mehr erhöhen, bis das Pferd reagiert.

Befindet sich das Pferd nun im Schritt, holt es sich die treibenden Hilfen praktisch von alleine. Durch die gleichmäßige Bewegung im Schritt, schwingt der Pferdebauch abwechseln nach links und rechts. Das kann man von hinten sehr gut beobachten. Dadurch holt sich das Pferd so gesehen die Schenkelhilfen von selber ab, denn jedesmal, wenn sich der Pferdebauch zu einer Seite hebt, legt sich der Reiterschenkel automatisch mehr an den Pferdebauch an. Somit treibt man im Schritt immer nur einseitig. Tritt das Pferd also gerade mit dem linken Hinterbein nach vorne, schwingt der Bauch nach rechts und umgekehrt. Wichtig ist dabei nur, dass der Reiter locker sitzt und mitschwingt.
Wann man treiben muss kann man sehr gut üben, indem man auf dem Pferd die Augen schließt und fühlt, welches Bein gerade vor tritt. Am besten spricht man es jedes mal laut aus. Ein Helfer kann dann von unten sagen, ob man richtig liegt.
In den Gangarten Trab und Galopp treibt man beidseitig.

vorwärts-seitwärtstreibende Schenkelhilfe

Bei der vorwärts-seitwärtstreibenden Schenkelhilfe wird der Schenkel etwa eine Hand breit hinter den Sattelgurt gelegt. Damit will man, wie der Name sagt, eine Vorwärts-Seitwärtsbewegung des Pferdes erreichen, wie zum Beispiel beim Schenkelweichen oder einer Traversale. Diese Schenkelhilfe wird sowohl im Schritt als auch in den anderen Gangarten nur einseitig gegeben, da eine beidseitige Anwendung widersprüchlich wäre. Um nun eine Seitwärtsbewegung zu erreichen, wird mit dem jeweiligen Schenkel leichter Druck ausgeübt. Möchte ich also, dass mein Pferd sich nach links bewegt, lege ich den Schenkel auf der rechten Seite an und umgekehrt. Gleichzeitig muss ich aber auch die Zügel- und Gewichtshilfen anwenden. Dazu nehme ich den äußeren Zügel an, mit dem inneren gebe ich entsprechend nach, um die Stellung zuzulassen.

Welcher der äußere und welcher der innere Zügel ist, erkenne ich immer daran, in welche Richtung das Pferd gestellt ist. Wenn mein Pferd also nach links gestellt ist, ist der linke Zügel der innere und der rechte Zügel der äußere. Die Gewichtshilfen setzte ich ein, indem ich den Bügel auf der Seite auf der die Seitwärtsbewegung stattfinden soll vermehrt austrete und mein Gewicht auf diese Seite verlagere. Dabei muss ich aber aufpassen, dass ich nicht in der Hüfte einknicke und krumm sitze, denn ansonsten verteilt sich das Gewicht auf die andere Seite.

Bei Seitwärtsbewegungen ist es immer sehr wichtig, dass das Pferd auch genügend und flüssig vorwärts geht. Wir wollen ja schließlich eine Vorwärts-Seitwärtsbewegung und nicht nur eine Seitwärtsbewegung.

verwahrende Schenkelhilfen

Bei der letzten Form der Schenkelhilfen wird der Schenkel ein ganzes Stück weiter hinter dem Sattelgurt angelegt. Die verwahrende Schenkelhilfe soll als Begrenzung dienen und verhindern, dass die Hinterhand ausbricht. Reite ich also beispielsweise ein Schulterherein, muss ich je nachdem auf welcher Hand und auf welchem Hufschlag ich es reite, den jeweils inneren Schenkel verwahrend ans Pferd legen. Innen ist, wie oben bereits erklärt, immer die Seite, in die das Pferd gestellt ist. Dementsprechend ist die äußere Seite immer die entgegengesetzte.
Mit der verwahrenden Schenkelhilfe halte ich also die Hinterhand „in der Spur“ und verhindere, dass sich mein Pferd vor der Arbeit drückt, indem es sich gar nicht wirklich biegt, sondern mit der Hinterhand ausweicht.

Aktivierung der Hinterhand

Oft ist es so, dass das Pferd nicht genügend untertritt, sondern seine Hinterhand bildlich gesehen hinterher schleift. Um die Hinterhand zu aktivieren, damit das Pferd weiter und aktiver vortritt, gebe ich einseitige Schenkelimpulse. Diese sollten direkt in dem Moment ankommen, in dem das Pferd das jeweilige Hinterbein anhebt, welches aktiver sein soll. Denn während sich das Bein noch in der Luft befindet, hat das Pferd die Möglichkeit sein Hinterbein aktiv weiter vorzusetzten. Hat das Pferd allerdings bereits wieder abgefußt, verpufft der Impuls ohne Wirkung, da er nicht umgesetzt werden kann. Zusätzlich verwirrt er das Pferd, da es nicht genau weis, was wir von ihm wollen.

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